Wer Höhenangaben liest – auf Wanderkarten, in Bauunterlagen oder auf Wetterkarten – begegnet regelmäßig den Abkürzungen NN und NHN. Beide stehen für dasselbe Prinzip: die Höhe eines Punktes über dem mittleren Meeresspiegel. Doch warum gibt es zwei Begriffe, und was genau ist der Unterschied?
Kurz gesagt: NN ist der ältere Begriff, NHN der aktuelle offizielle Standard in Deutschland seit 1990. Für Alltagszwecke sind beide Angaben praktisch identisch.
Normalnull (NN) bezeichnet die Bezugsfläche für Höhenangaben in Deutschland – vereinfacht gesagt: den „Nullpunkt", von dem aus alle Höhen gemessen werden. Eine Angabe wie „200 m ü. NN" bedeutet, dass der betreffende Ort 200 Meter über diesem Nullpunkt liegt.
Der Nullpunkt von NN ist der mittlere Wasserstand der Nordsee, gemessen am historischen Amsterdamer Pegel (Normaal Amsterdams Peil, NAP). Dieser wurde 1675 erstmals als Referenz festgelegt und 1879 als verbindlicher Bezugspunkt für das preußische und später das gesamtdeutsche Höhennetz übernommen.
Amsterdam lag im 17. Jahrhundert am wichtigsten Seehandelsweg Europas. Niederländische Ingenieure maßen den mittleren Meeresspiegel an einem Pegel in der Stadt und verwendeten ihn als Basis für ihr Entwässerungssystem – damals eine ingenieurtechnische Pionierleistung, da große Teile der Niederlande unter dem Meeresspiegel liegen. Preußische Geodäten übernahmen diesen Bezugspunkt für das erste einheitliche Höhennetz Deutschlands (1870er Jahre), da er bereits international bekannt und wissenschaftlich gut dokumentiert war.
Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 mussten zwei unterschiedliche Höhennetze zusammengeführt werden: Die Bundesrepublik nutzte das NN-System (Bezugspunkt Amsterdam), die DDR das sogenannte Kronstadt-System mit Bezugspunkt am Ostsee-Pegel bei St. Petersburg (Russland).
Das Ergebnis der Vereinheitlichung ist NHN (Normalhöhennull), offiziell eingeführt durch das Deutsches Haupthöhennetz 1992 (DHHN92). NHN basiert weiterhin auf dem Amsterdamer Pegel als Referenz, verwendet jedoch modernere geodätische Berechnungsverfahren (Normalhöhen nach Molodenskij statt ältere Helmert-Höhen) und ist damit etwas präziser als das alte NN.
Seit dem DHHN2016 (aktuelle Version) wird NHN europaweit im European Vertical Reference System (EVRS) eingebettet – für noch bessere internationale Vergleichbarkeit.
| Merkmal | NN (alt) | NHN (aktuell) |
|---|---|---|
| Eingeführt | 1870er (Preußen) | 1992 (DHHN92) |
| Bezugspunkt | Amsterdamer Pegel | Amsterdamer Pegel (NAP) |
| Höhentyp | Helmert-Höhen | Normalhöhen (Molodenskij) |
| Differenz | – | 0 bis ~50 cm (regional) |
| Amtlicher Status | veraltet | aktuell gültig (DE) |
| Verwendung heute | ältere Karten, Literatur | amtliche Dokumente, GPS-Korrekturen |
Für Wandern, Reisen und allgemeine Orientierung ist der Unterschied irrelevant. Relevant wird er bei Bauplanung, Hochwasserschutz und Vermessung, wo Zentimeter entscheiden können.
| Ort | Höhe | Bedeutung |
|---|---|---|
| Zugspitze (Bayern) | 2.962 m ü. NHN | Höchster Gipfel Deutschlands |
| München | 519 m ü. NHN | Bayerische Landeshauptstadt |
| Frankfurt am Main | 112 m ü. NHN | Finanzzentrum im Rhein-Main-Gebiet |
| Berlin | 34 m ü. NHN | Bundeshauptstadt im norddeutschen Tiefland |
| Hamburg | 6 m ü. NHN | Hansestadt nahe der Nordseeküste |
| Wilstermarsch (SH) | −3,54 m ü. NN | Tiefster Punkt Deutschlands |